Marty Sennewald

Marty Sennewald, 1990 in Thüringen geboren, ist freier Autor und lebt in Berlin. Für seine literarischen Arbeiten, die sich auf Grundlage umfangreicher Recherchen mit der NS-Zeit auseinandersetzen, wurde er mehrfach gefördert und ausgezeichnet, unter anderem mit dem Gustav-Regler-Förderpreis des Saarländischen Rundfunks und dem Literaturstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Thüringen. 2023 war er Writer-in-Residence der Stadt Burghausen. Er schreibt für den Deutschlandfunk und verschiedene Zeitungen. An der Humboldt Universität Berlin promoviert er zu Erinnerungspraktiken in Bezug auf NS-Verbrechen. 

Marty Sennewalds Stück DIE RUHELOSEN wird bei WAS FÜR EIN DRAMA! #4 vorgestellt.

Marty Sennewald

Fotorechte: Kathleen Springer

DIE RUHELOSEN

Milena ist Mitte vierzig und wohnt in Gardelegen, einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt. Eigentlich ist in Gardelegen nichts los. Aber dann sollen die stillgelegten Schienen am Bahnhof zurückgebaut werden. Kein großer Akt, wäre da nicht diese eine Nacht gewesen, bei der es an den Gleisen zu einem unaufgeklärten Todesfall gekommen war und bei dem auch Milenas Mutter eine Rolle spielte – und wäre da nicht diese andere Nacht gewesen, als die Schienen zum Schauplatz eines weitaus abscheulicheren Verbrechens wurden, bei dem mehr als 1000 Menschen ihr Leben verloren.

Am Fall zweier grotesker Gewaltgeschichten untersucht DIE RUHELOSEN Erinnerung als umkämpfte soziale Praxis, und erkundet zwischen privatem Trauma und historischer Schuld Mechanismen kollektiver Selbstentlastung.

Zitat

Ich habe mich immer gefragt, was wohl passiert, wenn etwas anderes auf den Gleisen liegt.

Ein Mantel, zum Beispiel.
Ein Eimer.
Ein Nussbaumast.
Ein Sommerkleid.
Ein Campingstuhl.
Ein Hase.

Aber es fahren schon lange keine Züge mehr. 

Und Sofia ist nach der Disko an den Schienen entlang nach Hause gegangen. 

Semir Plivac | WAS FÜR EIN DRAMA!