Michael Wildenhain
ist 1958 in Berlin geboren, wo er auch heute lebt. Nach einem Philosophie- und Informatikstudium engagierte er sich in der Hausbesetzerszene - Stoff u. a. für seine ersten literarischen Veröffentlichungen: "zum beispiel k.", "Prinzenbad" und "Die kalte Haut der Stadt".
Für sein literarisches Schaffen wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Alfred-Döblin-Preis, dem Ernst-Willner-Preis, dem Stipendium der Villa Massimo sowie dem London-Stipendium des Deutschen Literaturfonds. "Das Lächeln der Alligatoren" war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und wurde mit dem Brandenburger Kunstpreis ausgezeichnet. "Das Singen der Sirenen" erschien 2017 und war für den Deutschen Buchpreis nominiert, 2018 würdigte das Literaturforum im Brecht-Haus sein Gesamtwerk mit einem Symposium. Wildenhain schrieb mehrere Theaterstücke, von denen 2012 ein Auswahlband erschienen ist.
Michael Wildenhains Stück Im Ring wurde bei WAS FÜR EIN DRAMA! - Neue Stücke im Container vorgestellt.

Fotorechte: Annette Hauschild
Im Ring
Im Ring ist eine lose Szenenfolge, die um einen Familienkonflikt kreist. Im Ring steht der älteste Sohn, der auch das Zentrum des Theaterstücks markiert. Obwohl es scheint, als wäre der Antipode des Jungen in den oft sehr hart ausgetragenen Auseinandersetzungen vor allem der Vater, ist es tatsächlich die Mutter, die den Zwist befeuert. Bestimmt werden die Szenen insbesondere dadurch, dass die Projektionen und die Alltagswelt des Jungen den Streit überformen. Das sind zum einen die Fährnisse der Straße, gegen die er sich durchzusetzen hat, zum anderen seine Helden: Bruce Lee, Muhammad Ali, aber auch Sugar Ray Robinson sowie Figuren aus den Büchern von Jack London. In ihnen und durch sie werden Konturen der Welt sichtbar, die der Rahmen für das Leben des Jungen ist.
Zitat
STIMME
Ich stolpere rückwärts. Ich bleibe auf den Füßen. Ich schmecke mein Blut.
Das Publikum, die Gang aus der Straße, die Jungs aus der Parallelklasse brüllen und stampfen, klatschen und schreien:
CHOR
„Mach ihn tot!“ „Mach ihn tot!“ „Mach ihn tot!“
Wie ging es nach WAS FÜR EIN DRAMA! weiter?
„Im Ring“ hat in etwas abgewandelter/anverwandelter Form Eingang in Michael Wildenhains Roman "Das Ende vom Lied“ gefunden, erschienen am 14.2.2026, bei Klett-Cotta.